24 Jun 2024 • 3 min

Amazon beendet das Call-Off Stock (COS) Programm: Betroffene FBA-Seller müssen entsprechend handeln.

Daniel Michael
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Exkurs: Beim COS-Programm von Amazon handelte es sich aus umsatzsteuerlicher Sicht um ein Konsignationslager nach § 6b UStG. Die Vereinfachung der Konsignationslagerregelung sah vor, dass im Zeitpunkt der Umlagerung der Waren in Lager im EU-Ausland keine innergemeinschaftliche Verbringung erfolgt. Der innergemeinschaftliche Erwerb im Zielland ist durch den Erwerber (Amazon) zu melden.

Oder einfacher: Ihr konntet lokal im Ausland lagern, habt aber keine zusätzliche Umsatzsteuerpflicht ausgelöst. (Amazon trat als Verkäufer auf!)

Diese Möglichkeit ist nun Geschichte und hat für betroffene Seller folgende Konsequenzen.

Call-Off Stock endet ab dem 1. August 2024

Wie aus der im Juni versendeten E-Mail von Amazon hervorgeht, wird das Konsignationslager-Programm (Call-Off-Stock) ab dem 1. August 2024 beendet. Bis zu diesem Zeitpunkt kann weiterhin inländisch verkauft sowie von inländischen Gebühren profitiert werden.

Möchte man diesen Umstand aktiv halten, benötigt man ab August 2024 eine gültige Umsatzsteuer-ID in den Ländern, in denen weiterhin lokal gelagert werden soll. Sollte man bis August das PAN-EU-Programm (oder Teile dessen) nicht aktiviert haben, sendet Amazon den Lagerbestand automatisch in das Land zurück, wo dies ursprünglich vorgesehen war.

VORSICHT: Weiterhin heißt es: „In Fällen, in denen die automatische Remission von Lagerbestand bis zum 31. August 2024 nicht möglich ist, werden wir eine alternative Lösung finden.“ Das klingt sehr schwammig und sollte unbedingt beobachtet werden. „Andere Lösung“ ist ein sehr breit gefasster Begriff.

Passt auf, nicht in Umsatzsteuerpflichten zu geraten, die Ihr nicht braucht/wollt.

Aktivierung des PAN EU Programms

Zur Aktivierung eines grenzüberschreitenden Lagerlandes (u.a. PAN EU) benötigt Ihr im Vorfeld eine gültige Umsatzsteuer-ID in dem jeweiligen Land. Die Beantragung einer USt-ID dauert in der Regel zwischen 4 und 12 Wochen.

VORSICHT: Amazon bietet einen Lösungsvorschlag bis einschließlich 1. November 2024. So wie wir es verstehen, hält Amazon ab August Eure Lagerung in den Ländern aktiv, wenn Ihr das PAN-EU-Programm aktiviert. Allerdings ist es zum jetzigen Zeitpunkt sehr sportlich, in dieser kurzen Zeit eine gültige USt-ID zu erhalten, geschweige denn, wenn man dies erst kurz vor Ende Oktober anstößt. Die Folge: Ihr löst umsatzsteuerliche Pflichten aus, ohne ihnen nachkommen zu können, mit einem Rattenschwanz an Konsequenzen und möglichen Problemen.

Von daher mag es ratsam sein, die Aktivierung des PAN-EU-Programms nicht ad hoc vorzunehmen, sondern im Detail zu planen und in Bezug auf Umlagerungen richtig timen zu können. Bei Fragen hierzu sprecht uns gerne an.

Was war der Vorteil des Call-Off-Stock (COS) Programms? 

Der Vorteil des COS-Programms war, dass man sich (zumindest indirekt) lokal in Amazon-Marktplätzen wie Amazon.fr, Amazon.es und Amazon.it platzieren konnte. Mit „lokal“ ist gemeint, dass Ihr den Bedingungen unterlegen habt, als würdet Ihr in den jeweiligen Ländern einlagern. Prime-Status, geringere Versandgebühren und prominentere Platzierung. Kurz gesagt, das Programm sollte sich positiv auf die Verkäufe in den einzelnen Ländern auswirken.

Allerdings gab man hier die Kontrolle an Amazon ab und ließ Amazon als Verkäufer auftreten. Daneben gab es gewisse Unsicherheiten bezüglich der Verweildauer einzelner Produkte in einem solchen Konsignationslager. Sollte ein Produkt über 12 Monate in einem Land verweilen, löst der Händler ebenso eine Umsatzsteuerpflicht aus. Die Dokumentation und der Umgang damit waren unseren Informationen nach eher undurchsichtig.

Das mag einer der Gründe sein, warum Amazon sich dafür entschieden hat, dieses Programm einzustampfen. Man hat sich in zu vielen Graubereichen bewegt.

Was nun?

Wer bis jetzt das COS-Programm genutzt hat und sich unsicher ist, lokal per Lagerung in die Marktplätze einzusteigen, kann sehr rational seine Daten analysieren, um zu überprüfen, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Frage: Verkaufe ich genug in den Ländern, um dort

A) wachsen zu können?

B) relevante Gebühren zu sparen?

Sobald Ihr stabil 50 Produkte oder mehr in einem Monat in ein Land wie Frankreich oder Italien verkauft, lohnt sich der Schritt rein wirtschaftlich, da mehr Gebühren gespart werden, als Kosten entstehen. Das als kleine Faustregel.

Genauer analysieren könnt Ihr dies über folgendes kostenfreies Tool: https://countx.com/amazon-fba-rechner 

Bei Fragen rund um das gelesene, sprecht uns jederzeit direkt an: Buch Dir jetzt einen kostenlosen Beratungstermin!

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